LeafSnap: Taugt die App zur Pflanzenbestimmung? (Und die Alternative, wenn nicht)
Es gibt zwei Apps namens LeafSnap, und du hast wahrscheinlich die zweite auf deinem Handy. Was unabhängige Tests sagen, ob man sie kostenlos nutzen kann und wann sich ein Wechsel lohnt.
Die App LeafSnap zur Pflanzenbestimmung gehört zu den ersten Suchergebnissen, wenn man herausfinden möchte, wie eine Pflanze anhand eines Fotos heißt. Bevor du sie installierst, solltest du jedoch zwei Dinge wissen, die dir kein App-Store verrät: Es gibt zwei völlig verschiedene Apps mit diesem Namen, und die in der Werbung versprochene Genauigkeit ist nicht das, was du in der kostenlosen Version bekommst.
Das kurze Fazit vorweg: LeafSnap bestimmt Pflanzen per Foto schnell und hat eine einfache Benutzeroberfläche. In einem unabhängigen Test aus dem Jahr 2022 belegte die App sogar den ersten Platz unter fünf getesteten Anwendungen. Drei Dinge stören jedoch: die Werbung in der Gratis-Version, drei unterschiedliche offizielle Angaben zur Größe der Pflanzendatenbank und die Tatsache, dass die präziseste Erkennung der Bezahlversion vorbehalten bleibt.
Vorab: Es gibt zwei verschiedene Apps namens LeafSnap
Genau hier entsteht oft Verwirrung, sodass viele Nutzer eine App installieren und eigentlich eine ganz andere erwarten.
Das originale LeafSnap | Plant Identifier: LeafSnap | |
|---|---|---|
Entwickler | Columbia University, University of Maryland und Smithsonian Institution | Appixi Company Limited |
Seit | Mai 2011 | November 2019 |
Abdeckung | Bäume im Nordosten der USA und Kanadas anhand der Blätter | Pflanzen, Blumen, Pilze und Insekten |
Modell | Kostenlos, wissenschaftliches Forschungsprojekt | Kostenlos mit Werbung, Premium-Funktionen im Abo |
Status heute | Nicht mehr im App Store erhältlich | Die Version, die du heute herunterlädst |
Das Original entstand als elektronischer Feldführer eines akademischen Konsortiums mit hochauflösenden Bildern von Blättern, Blüten, Früchten, Samen und Rinden (Smithsonian Insider, Mai 2011). Es existiert nicht mehr im App Store: Eine Suche nach „leafsnap“ im US-amerikanischen Store liefert 14 Ergebnisse, von denen keines das Original ist.
Die Domain des Projekts, leafsnap.com, ist zwar noch online und zeigt auf der Startseite den ursprünglichen Text über Columbia, Maryland und das Smithsonian. Direkt unter diesem Absatz finden sich heute jedoch Artikel wie "10 Workouts For Abs In 2025" oder "How To Get Rid Of Neck Fat?". Das Menü der Website führt zu den Bereichen Fitness, General Health und Men's Health. Die Adresse wird also mittlerweile für Diät- und Fitness-Inhalte genutzt (Stand: 22. August 2026).
Das bedeutet: Das LeafSnap, das du heute im App-Store findest, ist die kommerzielle App von Appixi, die am 17. November 2019 veröffentlicht wurde. Um genau diese App geht es im restlichen Artikel.
Was LeafSnap gut macht
Die App hält ihr Kernversprechen ohne Umschweife: Du machst ein Foto und erhältst in wenigen Sekunden einen Namen. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich, bietet Kategorien zum Erkunden und enthält Pflegeanleitungen.
Und er hat einen unabhängigen Test auf seiner Seite. In einem Vergleich aus dem Jahr 2022 mit sechs britischen Wildpflanzen belegte LeafSnap mit 5 von 6 Punkten den ersten Platz unter fünf Apps, vor PictureThis (4,9), PlantNet (4,3), Seek (1,1) und PlantSnap (0,7). Der Autor hob hervor, dass die App die markantesten Arten auf Anhieb richtig bestimmte und bei den schwierigen nah herankam (Common by Nature, Mai 2022).
Es handelte sich dabei allerdings um nur sechs Pflanzen, und der Autor selbst bezeichnete den Test als reine Wochenendbeschäftigung. Das ist eine viel zu kleine Stichprobe für ein endgültiges Urteil.
Was unabhängige Tests gezeigt haben
Hier ist das, was an veröffentlichten Messungen existiert, mit Datum und Link. Jede Zeile ist eine andere Studie mit einer anderen Flora, Stichprobe und Methode.
Quelle | Was getestet wurde | Ergebnis |
|---|---|---|
Long et al., 2023, Clinical Toxicology 61(7) | 16 Arten aus dem amerikanischen Mittelwesten, 4 Apps (LeafSnap, PictureThis, Pl@ntNet und PlantSnap) | Durchschnittlich 76% Trefferquote bei der Gattung (95%-KI 73–79) und 58% bei der Art (95%-KI 55–62), variierend von 94% bis 34% je nach App |
6 britische Wildpflanzen, 5 Apps | LeafSnap auf dem ersten Platz, 5 von 6 Punkten | |
Nutzungstest mit mehreren Testern | LeafSnap bleibt außen vor bei den Empfehlungen, aufgrund von versehentlichen Abonnements und weil die App das Foto nicht auf dem Handy speichert. | |
App Store und Google Play von LeafSnap | Material der App selbst | "98 % Genauigkeit" |
Drei Warnhinweise zu dieser Tabelle.
Die Genauigkeit verschiedener Studien lässt sich nicht direkt vergleichen. Pflanzenarten, Stichproben und Kriterien unterscheiden sich von Test zu Test. Zu behaupten, eine App sei "besser", weil sie in einer anderen Studie eine höhere Punktzahl erreicht hat, ist nicht zulässig. Aussagekräftig ist nur die Reihenfolge innerhalb des jeweiligen Tests.
Das Einzelergebnis von LeafSnap in der Studie von 2023 war nicht öffentlich einsehbar. Die Zusammenfassung nennt nur den Durchschnitt der vier getesteten Apps sowie die Extremwerte, nicht aber die Einzelnoten. LeafSnap war eine der vier Apps, und der Gesamtdurchschnitt bei der Artbestimmung lag bei 58 %.
Keine dieser Studien hat Zimmerpflanzen getestet. Es wurden ausschließlich Bäume und Wildpflanzen untersucht. Wenn du also wissen willst, was mit der Monstera in deinem Wohnzimmer los ist, dienen die obigen Zahlen nur als grober Richtwert. Wissenschaftliche Tests zur Genauigkeit bei reinen Zimmerpflanzen gibt es meines Wissens nach bisher nicht.
Die im Store beworbenen 98 % stammen übrigens aus keiner öffentlichen Studie. Das ist ein reiner Marketingwert und keine Zahl aus einer wissenschaftlichen Arbeit.
Wo LeafSnap schwächelt
Vier konkrete Kritikpunkte, die sich belegen lassen:
Die offiziellen Zahlen widersprechen sich. Im App Store und bei Google Play wirbt die App mit einer Datenbank von "über 400.000 Arten". Auf der Startseite von leafsnap.app heißt es wiederum, die App bestimme "mehr als 32.000 Taxa". Und auf der Unterseite der eigenen Website, auf der die kostenlose Nutzung erklärt wird, wird als Vorteil der Premium-Version der "Zugriff auf eine Datenbank mit über 80.000 Arten" aufgeführt. Das sind drei völlig unterschiedliche Zahlen im offiziellen Material derselben App.
Die präzise Bestimmung gibt es nur gegen Bezahlung. Auf genau dieser Infoseite wird als Vorteil des Premium-Abos eine "fortgeschrittene Identifizierung für präzisere Ergebnisse" genannt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Nutzer der Gratis-Version nicht die im Store beworbene Genauigkeit erhalten. Diese Seite stammt aus dem September 2021 und ist nach wie vor online.
Werbung noch vor der Pflanze. In der kostenlosen Version verlangt die App die Erlaubnis zum Tracking, möchte Mitteilungen senden und zeigt Vollbild-Werbung. Auch in der Ergebnisliste teilen sich die Pflanzen den Platz mit Werbevideos. Werbefreiheit wird von der App selbst als wichtiges Kaufargument für das Abo genannt.
Deine Fotos werden nicht auf dem Handy gespeichert. Das war der Hauptgrund für den Ärger der Wirecutter-Tester im Juli 2025: "Das ist ein absolutes Kriterium fürs Durchfallen. Man muss die App verlassen und das Foto noch einmal mit der normalen Kamera machen, um es zu sichern", so einer der Tester. Der Testbericht warnt zudem vor der Gefahr, versehentlich ein Abo abzuschließen, und kritisiert die unübersichtliche Bedienung.
Das alles macht LeafSnap nicht zu einer schlechten App, aber sie verspricht in der Gratis-Version einfach mehr Genauigkeit, als sie am Ende liefert.
Ist LeafSnap kostenlos?
Ja, aber nur teilweise. Du kannst Pflanzen in der Basisversion bestimmen, musst dafür aber mit viel Werbung leben. Funktionen wie Werbefreiheit, Krankheitsdiagnose, die Bestimmung von Pilzen und Insekten, ein Gießrechner und die präzisere Erkennung bleiben laut den Angaben der App zahlenden Abonnenten vorbehalten.
Kostenlose Angebote sind in dieser Kategorie keine Seltenheit. Bloom bietet einen Gratis-Modus mit 2 Bestimmungen pro Monat und einem Gießplan, während Pl@ntNet komplett kostenlos ist, da es von französischen Forschungsinstituten getragen wird. Die Preise für Abos ändern sich je nach Region und Plattform, wirf daher am besten direkt einen Blick in den App-Store deines Handys.
Bloom: Wenn die Hilfe nach dem Namen erst richtig anfängt
Bloom ist unsere eigene App. Lies diesen Abschnitt also gerne mit der entsprechenden gesunden Skepsis und mach dir im App Store selbst ein Bild.
Die App Bloom setzt an einem ganz anderen Punkt an als LeafSnap. Natürlich bestimmt sie Pflanzen auch per Foto, aber das eigentliche Produkt fängt danach erst an: Jede bestimmte Pflanze wandert in deine persönliche Sammlung mit individuellem Pflegeplan, Gießmengen in Millilitern, Warnungen zur Giftigkeit und einer Krankheitsdiagnose per Foto.
Die Bestimmung läuft über Plant.id von Kindwise, das eine von unabhängigen Universitäten gemessene Genauigkeit von 93 % angibt. Diese Zahl ist die Genauigkeit der Erkennungs-Engine, gemessen in einem kontrollierten Test, und keine Bewertung der gesamten App in deiner Küche.

Wenn du die App öffnest, siehst du sofort deine eigenen Pflanzen mit Foto, Zustand und anstehenden Aufgaben. Ganz ohne unruhige Feeds oder störende Werbung.

Im Schnellzugriff findest du die wichtigsten Werkzeuge für den Alltag: Krankheitsdiagnose per Foto, Lichtmessung für den Standort, Giftigkeitsprüfung und Unkrautbestimmung.

In der kostenlosen Version hast du monatlich 2 Bestimmungen und Zugriff auf den Gießplan. Die Krankheitsdiagnose per Foto und unbegrenzte Bestimmungen sind Teil des Premium-Abos. Bloom ist exklusiv für das iPhone verfügbar.
Katzen, Hunde und Kinder: Was eine App verraten kann
Für jede bestimmte Pflanze zeigt Bloom direkt im Profil an, ob sie für Katzen, Hunde oder Kinder giftig ist.

In der in Clinical Toxicology im Jahr 2023 veröffentlichten Studie wurden fünf von elf potenziell giftigen Arten von mindestens einer der vier getesteten Apps als essbar eingestuft. Das Fazit der Autoren ist eindeutig: Derzeit können die Apps nicht verwendet werden, um essbare Pflanzen sicher zu bestimmen (Long et al., 2023).
Betrachte die Giftigkeitswarnung jeder App daher immer nur als ersten Filter, niemals als absolut sicheres Gutachten. Wenn du Haustiere oder kleine Kinder hast, überprüfe die Art im Zweifel immer in einer botanischen Fachquelle, bevor du den endgültigen Standort wählst. Bei einigen der beliebtesten Zimmerpflanzen entscheidet diese Prüfung über den richtigen Platz:
Gießen nach Millilitern statt nach Gefühl
Zu viel Wasser tötet mehr Zimmerpflanzen als Vergesslichkeit. Jede Pflanze, die du in Bloom einträgst, erhält eine Gesundheitsbewertung und eine empfohlene Wassermenge, die genau auf die jeweilige Art, den Topf und den Standort abgestimmt ist.

Der Gießplan fasst alle überfälligen, heutigen und in der Woche anstehenden Aufgaben übersichtlich auf einem Bildschirm zusammen.
LeafSnap und Bloom im direkten Vergleich
LeafSnap (Appixi) | Bloom | |
|---|---|---|
Bestimmung per Foto | Ja | Ja, über die Plant.id-Technologie |
Funktionen nach der Bestimmung | Pflegeanleitung im Premium-Abo | Sammlung, Gießplan und Gießmengen in Millilitern |
Krankheitsdiagnose per Foto | Nur im Premium-Abo | Nur im Premium-Abo |
Giftigkeitswarnung für Haustiere | Nur im Premium-Abo | Direkt im Profil jeder Pflanze |
Werbung in der Gratis-Version | Ja, auch Video-Anzeigen | Nein |
Kostenlose Nutzung | Ja, mit Werbung | Ja, 2 Bestimmungen pro Monat und Gießplan |
Bewertung im App Store | 4,45 bei 6.791 Bewertungen | 4,75 bei 1.049 Bewertungen |
Plattform | iOS und Android | Nur iOS |
Die Bewertungen in den letzten beiden Zeilen basieren auf einer eigenen Erhebung vom 22. August 2026 über 30 Länder-Stores im App Store. Die Berechnung erfolgte für beide Apps nach derselben Methode: Summe aller Bewertungen und gewichteter Mittelwert. Die Bewertung im deutschen oder US-Store allein zeigt oft nicht das globale Bild, obwohl genau diese Zahl meist in Vergleichen kopiert wird. Bei Google Play kommt LeafSnap auf 4,4 Sterne bei 13,8 Tausend Bewertungen und über 5 Millionen Downloads.
Falls du dich direkt zwischen den beiden Apps entscheiden möchtest, hilft dir unser Vergleich: LeafSnap oder Bloom im direkten Duell. Für eine Übersicht über den gesamten Markt wirf einen Blick auf die besten Apps zur Pflanzenbestimmung. Und wenn du nach einer Alternative zu einer anderen bekannten Bezahl-App suchst, lies unseren Artikel über die Alternative zu PictureThis.
Häufig gestellte Fragen
Ist LeafSnap eine gute App?
Die App bestimmt Pflanzen zuverlässig und lässt sich einfach bedienen. In einem unabhängigen Test mit sechs britischen Wildpflanzen im Jahr 2022 belegte sie den ersten Platz unter fünf Apps. Nachteile sind die aufdringliche Werbung in der kostenlosen Version, die widersprüchlichen Angaben zur Datenbankgröße und die Tatsache, dass die präziseste Erkennung nur im Abo verfügbar ist.
Ist LeafSnap kostenlos?
Die grundlegende Nutzung ist kostenlos, allerdings musst du mit Werbung leben. Funktionen wie Werbefreiheit, Krankheitsdiagnose, die Bestimmung von Pilzen und Insekten sowie die präzisere Erkennung sind laut App-Angaben nur im kostenpflichtigen Abo enthalten. Die Preise variieren je nach Land, prüfe sie daher direkt im App-Store.
Welche App zur Pflanzenbestimmung ist die genaueste?
Das hängt stark von der Pflanze und der jeweiligen Studie ab. Bei 16 in den USA getesteten Arten im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Trefferquote bei der Artbestimmung bei 58 %, mit Schwankungen von 34 % bis 94 %. Bei sechs britischen Wildpflanzen im Jahr 2022 lag LeafSnap vorn. Ergebnisse unterschiedlicher Studien lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen.
Kann ich mich darauf verlassen, ob eine Pflanze für meine Katze giftig ist?
Nicht allein. In einer 2023 in Clinical Toxicology veröffentlichten Studie wurden fünf von elf giftigen Arten von mindestens einer der getesteten Apps als essbar eingestuft. Nutze den Hinweis der App als ersten Filter und bestätige die Art in einer botanischen Quelle, bevor du die Pflanze in Reichweite des Tieres lässt.
Gibt es das LeafSnap vom Smithsonian noch?
Als App nicht mehr. Das ursprüngliche LeafSnap, das 2011 von Columbia, der University of Maryland und dem Smithsonian entwickelt wurde, wurde aus dem App Store entfernt. Die Website des Projekts ist zwar noch online, veröffentlicht neben den historischen Texten mittlerweile jedoch Fitness- und Diät-Inhalte. Die im Store erhältliche App ist eine kommerzielle Entwicklung von Appixi aus dem Jahr 2019.
Das Fazit
Wenn du nur ab und zu den Namen einer Pflanze am Wegesrand wissen möchtest und dich Werbung nicht stört, ist LeafSnap eine solide und kostenlose Option. Nimm die versprochenen 98 % Genauigkeit aus dem Store jedoch nicht zu wörtlich: Diese Zahl stammt aus keiner unabhängigen Studie, und der Entwickler selbst bietet die präzise Erkennung erst im Bezahlmodell an.
Wenn deine Pflanzen mit dir in der Wohnung leben und das Thema nach der Namensbestimmung nicht aufhört, brauchst du eine App, die dich auch danach begleitet: mit einem Gießplan, konkreten Wassermengen, Giftigkeitshinweisen und einer Diagnosehilfe, falls mal ein Blatt braun wird. Genau dafür wurde Bloom entwickelt. Du kannst die App im kostenlosen Modus ganz einfach ausprobieren.
Bloom ist exklusiv für das iPhone verfügbar.
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