Bloom
Ratgeber

Orchideen pflegen: Gießen, Licht und wie man sie wieder zum Blühen bringt

Eine Orchidee, die zu Hause eingeht, verdurstet fast nie – sie ertrinkt. Lerne, wie du an den Wurzeln erkennst, wann es Zeit zum Gießen ist, wie du das Licht an der Blattfarbe anpasst und welches Temperaturprotokoll die Pflanze wieder zum Blühen bringt.

von Bloom 16 Min. Lesezeit
Orchideen pflegen: Gießen, Licht und wie man sie wieder zum Blühen bringt

Orchideen pflegen: Gießen, Licht und wie man sie wieder zum Blühen bringt

Orchideenpflege in einem Satz zusammengefasst: Gieße erst, wenn die Wurzeln silbrig werden, stelle die Pflanze an einen hellen Ort ohne direkte Sonne auf den Blättern und lass niemals Wasser im Übertopf stehen. Eine Orchidee, die in der Wohnung eingeht, verdurstet fast nie – sie ertrinkt, weil ihre Wurzeln in einem klatschnassen Substrat verfaulen.

Diese Anleitung ist für alle, die eine blühende Orchidee geschenkt bekommen oder gekauft haben, nun die letzte Blüte abfallen sehen und nicht wissen, ob die Pflanze überhaupt noch lebt. Du musst den genauen Namen nicht kennen, um anzufangen: Man kann alles Wichtige an den Wurzeln und Blättern ablesen.

Schnelle Zusammenfassung:

  • Die Wurzel ist der Gradmesser. Silbrig bedeutet trocken (du kannst gießen); grün bedeutet, dass noch Wasser vorhanden ist. Der transparente Plastiktopf aus dem Laden ist keine bloße Verpackung, sondern ein Messinstrument.

  • Helles Licht, aber niemals direkte Sonne auf den Blättern. Die Phalaenopsis blüht optimal bei 16.000 bis 18.000 Lux, was laut den Datenblättern der Clemson University Extension etwa 1.500–1.700 Foot-Candles entspricht. Das entspricht der Helligkeit an einem Ostfenster, nicht der einer sonnenbeschienenen Fensterbank zur Mittagszeit.

  • Um wieder zu blühen, braucht sie Kälte, keinen Dünger. Mehrere Wochen mit Nachttemperaturen zwischen 13 °C und 18 °C und einem Temperaturunterschied von 6 °C bis 8 °C zwischen Tag und Nacht sind der Auslöser für den neuen Blütenstängel (Iowa State University Extension, Stand Januar 2026).

Deine Orchidee ist höchstwahrscheinlich eine Phalaenopsis

Wenn du die Pflanze im Supermarkt, im Gartencenter gekauft oder mit bereits geöffneten Blüten geschenkt bekommen hast, handelt es sich fast sicher um eine Phalaenopsis, auch Schmetterlingsorchidee genannt. Sie ist unter den im Topf verkauften Gattungen auch diejenige mit dem geringsten Lichtbedarf, was sie zur am einfachsten zu pflegenden Zimmerpflanze macht (Clemson University Extension). Diese Anleitung wurde speziell für sie geschrieben.

Du erkennst sie an folgendem Wuchs: Zwei bis sechs dicke, breite, fleischige Blätter, die direkt über dem Topf ansetzen (ohne sichtbaren Stamm), und ein dünner, gebogener Stängel, an dem die Blüten sitzen. Wenn deine Pflanze anders aussieht, unterscheidet sich die Pflege in einigen Punkten:

Gattung

Erkennungsmerkmale

Lichtbedarf

Mindesttemperatur nachts

Phalaenopsis (Schmetterlingsorchidee)

Breite, fleischige Blätter an der Basis, kein sichtbarer Stamm; gebogener Stängel

Geringster Bedarf der drei: 16.000–18.000 Lux

18 °C

Cattleya

Verdickter, zigarrenförmiger Trieb (Pseudobulbe) mit 1–2 starren Blättern oben

Doppelt so viel wie Phalaenopsis

15 °C

Dendrobium

Mehrere dünne, hohe, aufrechte Triebe mit Blättern entlang des Stängels

Doppelt so viel wie Phalaenopsis

11 °C

Die Lichtbereiche und nächtlichen Mindesttemperaturen für jede Gattung stammen aus dem Orchideen-Datenblatt der Clemson University Extension. Wenn deine Pflanze zu keiner dieser drei gehört – eine andere, in Wohnungen weit verbreitete Gattung ist Oncidium mit flachen Pseudobulben und vielen kleinen Blüten –, lohnt es sich, die Art zu bestimmen, bevor du deine Routine änderst. Lichtbedarf und Mindesttemperaturen variieren nämlich stark von Gattung zu Gattung. Eine App, die Pflanzen per Foto identifiziert, löst das in einer Minute. Die falsche Gattung anzunehmen führt oft zu Fehlern bei der Gießhäufigkeit.

Wann gießen: Lies die Wurzeln, nicht den Kalender

Dies ist die einzige Gießregel, die in jeder Wohnung, in jedem Klima und zu jeder Jahreszeit funktioniert. Und sie erfordert kein Mitzählen von Tagen.

Die Wurzeln der Orchidee sind von einem Gewebe namens Velamen umhüllt: mehreren Schichten abgestorbener, schwammartiger Zellen, die die eigentliche Wurzel wie ein Schwamm umschließen. Wenn diese Zellen leer sind, füllen sie sich mit Luft, die das Licht reflektiert – die Wurzel erscheint silbrig oder weißlich. Wenn sie mit Wasser gefüllt sind, dringt das Licht hindurch und man sieht das Grün der darunter liegenden Wurzel. Diese Farbveränderung ist kein Krankheitssymptom, sondern ein Feuchtigkeitsmesser, den die Pflanze außerhalb des Topfes trägt.

Orchideenwurzeln im transparenten Topf, halb silbrig und halb grün
Wurzeln einer Phalaenopsis im transparenten Originaltopf. Die silbrigen sind bereits trocken; die grünen haben noch Wasser im Velamen gespeichert. Wenn die Mehrheit silbrig ist, ist es Zeit zum Gießen.

In der Praxis bedeutet das:

  • Grüne Wurzeln – es ist noch Wasser vorhanden. Nicht gießen.

  • Silbrige oder weiße Wurzeln – das Velamen ist trocken. Du kannst gießen.

  • Braune, matschige Wurzeln, die zwischen den Fingern zerfallen – sie sind verfault. Das ist kein Durst, sondern Staunässe. Weiteres Gießen verschlimmert es nur.

Die University of Maryland Extension beschreibt dasselbe Signal von der anderen Seite: Luftwurzeln "wechseln von einem matten Silbergrau oder Weiß zu einem hellen Grün, sobald man genügend Wasser gegeben hat" (Care of Phalaenopsis Orchids, aktualisiert im März 2023). Deshalb ist es so wichtig, die Pflanze im transparenten Plastiktopf zu lassen und den Übertopf nur als Deko zu nutzen.

Der Gießabstand in Tagen hängt stark vom Substrat ab. Genau hier liegt der Grund, warum die pauschale Empfehlung "einmal pro Woche gießen" viele Orchideen umbringt:

Substrat im Topf

Eigenschaften

Typische Häufigkeit

Pinienrinde (sehr verbreitet)

Große, lose Stücke, viel Luft dazwischen

Alle 5–7 Tage; in kleinen Töpfen oder warmen Räumen 2× pro Woche

Sphagnum-Moos (weich, grau-grün)

Speichert extrem viel Wasser

Alle 10–14 Tage, und erst, wenn die Oberfläche sich trocken anfühlt

Kokosfasern oder -chips

Mittlere Wasserspeicherung, hält Feuchtigkeit besser als Rinde

Alle 7–10 dias

Orchideen in luftigen Rindenmischungen müssen eventuell zweimal pro Woche gegossen werden, während Pflanzen in Sphagnum-Moos seltener Wasser benötigen, da das Moos Feuchtigkeit viel länger speichert. Die wichtigste Orientierung bleibt die Wurzel – die Tabelle zeigt nur, was dich beim Kontrollieren erwartet.

Wie man gießt (und der Fehler mit dem Übertopf)

Eine Orchidee zu gießen bedeutet nicht, ihr nur einen kleinen Schluck Wasser zu geben. Das Velamen muss sich voll saugen können, was einige Minuten dauert.

Dazu brauchst du: die Pflanze im transparenten Topf, ein Waschbecken oder eine Dusche sowie zimmertemperiertes Wasser. Es dauert etwa 10 Minuten.

  1. Nimm den transparenten Topf aus dem dekorativen Übertopf. Das ist der Schritt, den die meisten Menschen vergessen.

  2. Gründlich wässern. Die University of Maryland empfiehlt, handwarmes Wasser über die Pflanze, die Rinde und die Luftwurzeln laufen zu lassen – und zwar in drei oder vier Durchgängen über einen Zeitraum von 10 Minuten. Wenn du das Tauchen bevorzugst, stelle den gesamten Topf für etwa 20 Minuten ins Wasser (UConn Home & Garden Education Center).

  3. Lass das Wasser vollständig ablaufen – wirklich gründlich und ohne Eile. Die Wurzeln brauchen zwischen den Gießgängen Luft.

  4. Stelle die Orchidee erst dann wieder in den Übertopf und vergewissere dich, dass kein Wasser am Boden zurückgeblieben ist.

  5. Gieße morgens, damit Blätter und das Herz (der Punkt, an dem die Blätter zusammenlaufen) im Laufe des Tages abtrocknen können.

Wenn Wasser im Übertopf stehen bleibt, stehen die Wurzeln unbemerkt im Nassen. Die Clemson University Extension sagt es deutlich: "Eine der schnellsten Methoden, eine Orchidee umzubringen, ist, sie in einem nassen Topf stehenzulassen."

Wasser, das sich in den Blattschachseln sammelt, führt zudem schnell zu Herzfäule. Wenn dort Wasser hineingelangt, tupfe es vorsichtig mit einem Papiertuch trocken.

Zur Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Die Phalaenopsis bevorzugt den Tag um 6 °C bis 8 °C wärmer als die Nacht – in der Praxis bedeutet das tagsüber zwischen 24 °C und 27 °C und nachts eine Mindesttemperatur von 18 °C – bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 40 % bis 60 % das ganze Jahr über (Clemson University Extension). In den meisten Wohnungen entspricht das dem normalen Raumklima. Probleme gibt es meist in Räumen mit Klimaanlage, da diese die Luft stark austrocknet. In diesem Fall hilft eine flache Schale mit Kieselsteinen und Wasser unter dem Topf – wobei der Topfboden auf den Steinen, also über der Wasserlinie, stehen muss.

Funktionieren Eiswürfel wirklich?

Dies ist eine der am häufigsten gestellten Fragen zur Orchideenpflege, und die ehrliche Antwort widerlegt oft die extremen Meinungen beider Seiten.

Forscher der Ohio State University und der University of Georgia haben genau das untersucht: 48 Phalaenopsis-Orchideen an beiden Einrichtungen wurden über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten beobachtet. Die eine Hälfte erhielt drei Eiswürfel pro Woche, die andere Hälfte die gleiche Menge Wasser in Zimmertemperatur. Es gab keinen Unterschied in der Haltbarkeit der einzelnen Blüten oder der gesamten Blütezeit. Auch die nicht sichtbaren Parameter wie Chlorophyllgehalt, Photosyntheserate und Pflanzenmasse blieben in beiden Gruppen identisch. Die Studie von Kaylee South und Michelle Jones wurde 2017 im Fachmagazin HortScience veröffentlicht (Zusammenfassung der Ohio State University).

Die Studie hatte jedoch drei wichtige Einschränkungen, die oft unerwähnt bleiben:

  • Es gilt nur für Rindensubstrat. Bei Sphagnum-Moos, das viel mehr Wasser speichert, wurde die Menge von drei Eiswürfeln nicht getestet.

  • Es gilt nur für Phalaenopsis. Bei Cattleya, Dendrobium oder Oncidium wurde die Methode nicht untersucht.

  • Das Eis wird auf das Substrat gelegt, fernab der Blätter und ohne direkten Kontakt mit den Luftwurzeln. Im Test sank die Substrattemperatur kurzzeitig auf 11–13 °C und stieg innerhalb von fünf Stunden wieder auf 21 °C an.

Fazit für die Praxis: Eiswürfel sind nicht so schädlich, wie oft behauptet wird, aber sie sind auch nicht besser als normales, richtiges Gießen. Drei Eiswürfel pro Woche liefern recht wenig Wasser. Da die meisten Probleme bei Zimmerorchideen jedoch durch Überwässerung entstehen, funktioniert diese Methode bei manchen gut. Wenn du deine Orchideen bereits erfolgreich mit Eiswürfeln gießt, musst du das nicht ändern. Wenn du gerade erst anfängst, ist das gründliche Wässern und Ablaufenlassen die sicherere Methode.

Licht: Das Blatt zeigt dir, ob es passt

Der beste Platz für eine Orchidee im Haus ist in der Nähe eines Ostfensters mit viel hellem Licht am Morgen und ohne direkte Mittagssonne auf den Blättern. Ein West- oder Nordfenster eignet sich ebenfalls, sofern ein dünner Vorhang das Licht filtert.

Das Blatt fungiert als natürlicher Belichtungsmesser: Seine Farbe zeigt an, ob das Licht stimmt, noch bevor die Pflanze aufhört zu blühen.

Blattfarbe und -zustand

Bedeutung

Maßnahme

Hellgrün, leicht gelblich

Ideales Licht

So stehen lassen

Dunkelgrün, starre und glatte Blätter

Zu wenig Licht – der häufigste Grund für ausbleibende Blüten

Näher ans Fenster stellen

Rötliche oder violette Ränder, gelbgrünes Blatt

Zu viel Licht, kurz vor dem Sonnenbrand

Etwas weiter wegstellen oder Vorhang nutzen

Weißer, trockener Fleck, fühlt sich papierartig an

Sonnenbrand durch direkte Sonne

Sofort aus der Sonne nehmen; der Fleck heilt nicht mehr

Diese Diagnose anhand der Blattfarbe deckt sich mit den Empfehlungen der University of Maryland Extension: Ausreichend Licht sorgt für hellgrüne Blätter, Lichtmangel führt zu dunkelgrünen, starren Blättern und zu viel Licht lässt die Ränder rötlich anlaufen.

Direkte Mittagssonne kann ein Blatt an einem einzigen Nachmittag verbrennen – dieser Schaden bleibt dauerhaft sichtbar. Wenn das einzige verfügbare Fenster sehr sonnig ist, rücke die Pflanze lieber einen Meter in den Raum hinein, anstatt sie direkt an die Scheibe zu stellen.

Düngen: Was, wie viel und wann?

Dünger bringt eine Orchidee nicht zum Blühen. Dünger sorgt lediglich dafür, dass die Pflanze die nötige Kraft hat, um neue Blüten zu bilden, sobald der richtige Reiz (und das ist die Temperatur, nicht der Nährstoff) einsetzt.

  • Im Frühjahr und Sommer alle zwei Wochen einen stickstoffreichen, wasserlöslichen Dünger im Verhältnis 30-10-10 verwenden. Im Herbst und Winter auf einen phosphorreichen Dünger (10-30-20) in halber Dosierung umsteigen. Steht die Pflanze in Sphagnum-Moos statt in Rinde, eignet sich ein ausgewogener Dünger im Verhältnis 10-10-10 besser. Diese drei Mischungen werden vom UConn Home & Garden Education Center empfohlen.

  • Verdünne den Dünger stärker als auf der Packung angegeben. Die goldene Regel unter Orchideenliebhabern lautet: "schwach, aber regelmäßig düngen" (weakly, weekly). Auch die American Orchid Society empfiehlt dies als Standard (Fertilizer).

  • Immer erst gießen, dann düngen. Viele Züchter wässern die Pflanze zuerst mit klarem Wasser und geben erst danach die Düngerlösung hinzu. Die Wurzeln der Phalaenopsis sind sehr empfindlich und können verbrennen, wenn sie in trockenem Substrat mit konzentrierten Nährsalzen in Kontakt kommen (American Orchid Society, Fertilizer Burn).

  • Einmal im Monat den Topf nur mit klarem Wasser spülen. Das kräftige Durchspülen des Substrats mit reinem Wasser schwemmt überschüssige Mineralsalze aus, die sich durch das Düngen angesammelt haben. Angesammelte Salze können die Wurzeln schädigen.

  • Stelle das Düngen im Winter ein, wenn die Pflanze kein neues Blattwachstum zeigt.

Die Blüten sind abgefallen. Was nun?

Der Abfall der Blüten ist kein Zeichen von Krankheit oder Absterben. Die Blüten einer Phalaenopsis halten in der Regel zwei bis drei Monate. Bei guter Pflege blüht die Pflanze ein- bis zweimal pro Jahr wieder (Iowa State University Extension) – die Pflanze selbst kann viele Jahre alt werden. Wenn die letzte Blüte fällt, ist sie nicht tot, sondern geht lediglich in eine Ruhephase über.

Was passiert mit dem Blütenstängel? Wenn er grün und fest bleibt, schneide ihn etwa 1,5 cm über dem zweiten "Auge" (den kleinen Verdickungen entlang des Stängels, von unten gezählt) ab (University of Maryland Extension). Die Phalaenopsis ist eine der wenigen Gattungen, die am alten Stängel neue Knospen ansetzen können. Neue Blüten können sich so nach 8 bis 12 Wochen zeigen, allerdings gibt es dafür keine Garantie (Iowa State University Extension). Wenn der Stängel jedoch gelb oder braun und trocken wird, schneide ihn ganz unten an der Basis ab.

Nun geht es um den eigentlichen Auslöser für neue Blüten – und das ist Kälte, nicht Dünger:

  1. Mehrere Wochen mit Nachttemperaturen zwischen 13 °C und 18 °C bei einem Temperaturunterschied von 6 °C bis 8 °C zwischen Tag und Nacht (Iowa State University Extension). Das UConn Center weist darauf hin, dass Temperaturen um die 13 °C die Knospenbildung anregen. Beachte, dass dies kühler ist als die sonst empfohlenen 18 °C für den Rest des Jahres: Diese Absenkung im Herbst ist gewollt und temporär. Temperaturen unter 13 °C beschleunigen den Prozess jedoch nicht, sondern stressen die Pflanze nur unnötig.

  2. Sobald sich ein neuer Blütenstängel zeigt, stelle die Pflanze wieder an ihren gewohnten Platz und halte die Temperatur stabil. Starke Temperaturschwankungen in dieser Phase können dazu führen, dass die Knospen abfallen. Halte die Orchidee auch von Obstschalen fern: Reifendes Obst wie Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Melonen, Feigen und Tomaten verströmt Ethylengas. Dieses Gas sorgt dafür, dass die Knospen schrumpfen und abfallen, noch bevor sie sich öffnen. Die Phalaenopsis reagiert darauf besonders empfindlich (American Orchid Society, Bud Blast).

  3. Es dauert etwa 6 bis 9 Wochen vom ersten sichtbaren Stängel bis zur ersten geöffneten Blüte (UConn).

Wichtiger Hinweis für wärmere Regionen: Wenn die Nachttemperatur in der Wohnung nie unter 18 °C sinkt, bleibt die Pflanze zwar gesund, bildet aber oft keine neuen Blüten aus. Dies ist der häufigste Grund, warum manche Orchideen jahrelang nur Blätter bilden. Eine einfache Lösung ist es, die Pflanze während der kühleren Wochen im Herbst nachts auf einen geschützten Balkon oder eine Terrasse zu stellen, um die natürlichen Temperaturschwankungen zu nutzen, oder sie nachts an ein gekipptes Fenster zu stellen (Vermeide dabei jedoch eisige Zugluft).

Wann und wie man umtopft

Eine Orchidee wird nicht umgetopft, weil der Topf zu klein geworden ist, sondern weil das Substrat verrottet ist. Pinienrinde zersetzt sich im Laufe von etwa zwei Jahren. Ist sie einmal zersetzt, speichert sie Wasser wie normale Erde – und genau diese dauerhafte Nässe vertragen die Wurzeln nicht (UConn). Der empfohlene Abstand zum Umtopfen liegt bei ein bis zwei Jahren (University of Maryland Extension).

Topfe die Orchidee um, wenn: die Rinde zu dunklem, formlosem Mulch zerfallen ist, das Wasser beim Gießen nur sehr langsam abläuft, sich fast nur noch Wurzeln im Topf befinden oder du faule, braune Wurzeln bemerkst.

  1. Warte das Ende der Blütezeit ab. Das Umtopfen während der Blüte führt fast immer zum Abwurf der Blüten.

  2. Nimm die Pflanze vorsichtig aus dem Topf und entferne das alte Substrat komplett aus dem Wurzelballen.

  3. Schneide nur die braunen, hohlen oder matschigen Wurzeln mit einer sauberen Schere ab. Gesunde, feste Wurzeln (ob silbrig oder grün) bleiben unberührt. Auch die Luftwurzeln, die oben aus dem Topf herauswachsen, sind völlig normal und sollten nicht abgeschnitten werden.

  4. Verwende mittlere bis grobe Pinienrinde. Zu feine Rinde speichert zu viel Feuchtigkeit und führt schnell wieder zu Fäulnis.

  5. Wähle einen Topf mit Abzugslöchern, der maximal eine Nummer größer ist als der alte – und auch nur dann, wenn die Wurzeln wirklich keinen Platz mehr finden.

  6. Nach dem Umtopfen 3 bis 5 Tage lang nicht gießen, damit eventuelle Schnittstellen an den Wurzeln abheilen können.

Diagnose: Was die Symptome bedeuten

Das gleiche Symptom an einem Blatt kann völlig gegensätzliche Ursachen haben. Den Ausschlag gibt immer der Zustand der Wurzeln – weshalb der transparente Topf so wertvoll ist.

Symptom

Zustand der Wurzeln

Wahrscheinliche Ursache

Maßnahme

Ein einzelnes, unteres Blatt wird langsam gelb

Fest, silbrig oder grün

Normaler Alterungsprozess

Nichts tun. Das Blatt von selbst abfallen lassen

Mehrere Blätter gelb, schlaff, Basis dunkel

Braun, matschig, unangenehmer Geruch

Wurzelfäule durch zu viel Wasser

Umtopfen, tote Wurzeln abschneiden, Gießen reduzieren

Blätter schlaff und schrumpelig

Silbrig, fest, trocken

Wassermangel oder zu wenige Wurzeln

Gründlich wässern und Gießrhythmus anpassen

Blätter schlaff und schrumpelig

Braun und matschig

Fäulnis – die Pflanze kann kein Wasser mehr aufnehmen

Sofort umtopfen; weiteres Gießen verschlimmert es

Knospen trocknen aus und fallen ab

Unauffällig

Plötzlicher Standortwechsel, Zugluft, Farbdämpfe, Gas oder reifendes Obst in der Nähe

Standort stabilisieren und Obstschale wegräumen

Schwarzer oder brauner, nasser Fleck auf dem Blatt

Unauffällig

Wasser stand zu lange auf dem Blatt oder im Herz

Betroffenen Teil wegschneiden, trocken halten, Belüftung verbessern

Nur Blätter, keine Blüten

Gesund

Zu wenig Licht oder fehlender Temperaturabfall nachts

Näher ans Fenster stellen und im Herbst für kühlere Nächte sorgen

Beachte die zwei Zeilen zu "Blätter schlaff und schrumpelig": Das optische Symptom ist identisch, die Behandlung jedoch genau entgegengesetzt. Wer eine Orchidee mit Wurzelfäule noch mehr gießt, gibt ihr den Rest.

Wenn du unsicher bist, welcher Fall bei deiner Pflanze vorliegt, fotografiere die Wurzeln und Blätter aus der Nähe. Die Handykamera fängt Details oft besser ein, und in der Bloom-App kannst du das Foto direkt mit Diagnosen vergleichen (die Diagnosefunktion ist Teil der Premium-Version; die App ist für das iPhone verfügbar).

Die häufigsten Schädlinge bei Orchideen

Orchideen in der Wohnung werden nur selten von Schädlingen befallen, und wenn, dann meist von diesen drei Vertretern.

Wollläuse (Schmierläuse) treten am häufigsten auf: weiße, watteartige Gespinste, die sich in den Blattachseln, an den Blattunterseiten oder zwischen den Wurzeln verstecken. Ein einfacher Wasserstrahl hilft meist nicht, da die Läuse eine schützende Wachsschicht besitzen.

Spinnmilben zeigen sich vor allem bei trockener Heizungsluft: feine, helle Pünktchen auf den Blättern, ein staubiges Aussehen und bei starkem Befall feine Gespinste auf der Blattunterseite. Blattläuse befallen vor allem die jungen Blütenstängel und Knospen und hinterlassen klebrigen Honigtau. Die Behandlung mit einer milden Seifenlösung ist im Ratgeber zu Blattläusen an Pflanzen ausführlich beschrieben und gilt genauso für Orchideen.

Bei jedem Schädlingsbefall gilt: Isoliere die betroffene Pflanze sofort von anderen, behandle sie und wiederhole die Anwendung alle 5 bis 7 Tage mindestens dreimal. Seifenlösungen und Gartenbauöle wirken nur bei direktem Kontakt und haben keine Langzeitwirkung. Eine einmalige Anwendung erwischt daher nur die aktiven Schädlinge an diesem Tag, woraufhin die nächste Generation den Befall von vorn beginnt (Colorado State University Extension).

Was man vermeiden sollte

  • Wasser im Übertopf stehen lassen. Die Wurzeln stehen unbemerkt im Wasser und verfaulen. Die Clemson University Extension bezeichnet Staunässe als sichersten Weg, eine Orchidee zu töten. Die Wurzeln benötigen Luft zwischen den Gießgängen.

  • Luftwurzeln abschneiden. Die Wurzeln, die oben aus dem Topf herauswachsen, sind völlig normal und nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf. Sie abzuschneiden schadet der Pflanze und schwächt sie.

  • Kaffeesatz als Dünger verwenden. Kaffeesatz ist kein geeigneter Stickstoffdünger für Orchideen. Direkt in das Substrat gegeben, kann er den verfügbaren Stickstoff sogar vorübergehend binden, da Mikroorganismen ihn beim Abbau verbrauchen. Zudem liegt der pH-Wert von gebrühtem Kaffeesatz meist im neutralen Bereich (6,5 bis 6,8) und wirkt daher nicht bodensäuernd (University of Minnesota Extension). Im Orchideentopf verdichtet er zudem die Rindenstücke, was den Wurzeln die nötige Luft nimmt.

  • Auf trockenes Substrat düngen. Dies führt zu Verbrennungen an den Wurzelspitzen. Wässere die Pflanze immer zuerst mit klarem Wasser.

  • Die Pflanze ständig umstellen. Orchideen mit geschlossenen Knospen reagieren extrem empfindlich auf Standortveränderungen und werfen die Knospen dann oft ab.

  • Dauerhafte Blüte das ganze Jahr über erwarten. Eine Phalaenopsis blüht ein- bis zweimal im Jahr. Eine Phase ohne Blüten ist völlig normal und kein Zeichen von Krankheit.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft muss man eine Orchidee gießen?

Es gibt keinen festen Zeitplan. Die Häufigkeit hängt vom Substrat und Raumklima ab. Bei Pinienrinde liegt der Schnitt bei 5 bis 7 Tagen, bei Sphagnum-Moos bei 10 bis 14 Tagen. Orientiere dich immer an der Wurzelfarbe: Silbrig bedeutet gießen, grün bedeutet warten.

Was macht man mit der Orchidee, wenn die Blüten abgefallen sind?

Wenn der Stängel grün bleibt, schneide ihn etwa 1,5 cm über dem zweiten Auge (von unten gezählt) ab. Dort können nach 8 bis 12 Wochen neue Blüten entstehen. Ist der Stängel braun und trocken, schneide ihn ganz unten ab und pflege Blätter und Wurzeln normal weiter.

Was mögen Orchideen überhaupt nicht?

Staunässe im Übertopf, pralle Sonne auf den Blättern, Dünger auf trockenem Substrat, stehendes Wasser im Herz der Pflanze sowie plötzliche Standortwechsel bei Knospenbildung. Alle diese Fehler zeigen sich schnell an der Pflanze – Staunässe ist dabei der gefährlichste, da die Wurzeln unbemerkt verfaulen.

Ist Kaffeesatz gut für Orchideen?

Nein. Die University of Minnesota Extension zeigt, dass Kaffeesatz nicht als effektiver Stickstoffdünger wirkt und im Substrat sogar Stickstoff blockieren kann. Zudem verdichtet er die luftigen Rindenstücke und führt zu Staunässe an den Wurzeln.

Warum blüht meine Orchidee nicht mehr?

Die beiden häufigsten Gründe sind zu wenig Licht (erkennbar an dunkelgrünen, starren Blättern) und das Ausbleiben der nächtlichen Temperaturabsenkung. Die Pflanze benötigt im Herbst einige Wochen mit Nachttemperaturen zwischen 13 °C und 18 °C, um neue Blütenstängel anzusetzen.

Zusammenfassend

Eine Orchidee, die "ohne Grund eingegangen" ist, zeigt die Ursache fast immer an ihren Wurzeln: Sind sie braun und matschig, war es zu viel Wasser; sind sie silbrig und schrumpelig, war es zu wenig. Beide Extreme führen am Ende zu schlaffen, runzeligen Blättern. Orchideenpflege bedeutet letztlich nur, vor dem Gießen die Wurzelfarbe zu prüfen, für helles Licht ohne direkte Sonne zu sorgen und die Ruhephasen der Pflanze zu akzeptieren. Wenn du nach dem Lesen dieser Anleitung eine Sache tust: Nimm den transparenten Topf aus dem Übertopf und schau dir die Farbe der Wurzeln an – die Antwort, ob du heute gießen musst, liegt genau dort.

Wenn du neben Orchideen noch andere Zimmerpflanzen hast, gelten die gleichen Grundprinzipien für Licht und Wasser – jeweils angepasst an die jeweilige Art.

Ähnliche Artikel